Burka-Verbot bald auch in Frankreich

Veröffentlicht: Juli 13, 2010 in Offene Gesellschaft, Pluralismus, Religion
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Frankreich bringt Burka-Verbot auf den Weg. Wenn so etwas wie Verbote überhaupt sinnvoll sind, dann dort, wo unbeteiligte Dritte zu Schaden kommen. Dies ist bei der Burka nicht der Fall. Warum also ein Verbot her muss, bleibt offen – Frankreich ist ja nicht das erste europäische Land, das einer solchen Gesetzgebung den Weg ebnet.

Ich denke, dass mittlerweile eine sehr verquere Sicht auf den Menschen als Privatperson und als Bürger gehegt wird. Einerseits soll er privat alles tun und lassen dürfen, was er möchte, andererseits soll genau dieses Private vom Öffentlichen getrennt werden. Diese Trennung zwischen Privat und Öffentlich, welche vorher durch Ansichten wie „Auch das Private ist politisch“ versucht wurde zu brechen, wird jetzt zum Paradigma einer Gesellschaft, welche das Andere und das Fremde nur noch als Privates duldet, sich aber aus dem öffentlichen Raum rauszuhalten hat. Man mag ja noch über ein Ganzkörpergefängnis wie die Burka streiten können, aber der Gedanke dahinter ist das Verdrängen des Andersartigen ins Unsichtbare, so dass im Öffentlichen nur noch das Flache und Neutrale gefördert wird.

Und das Perfide daran ist, dass diese Fehlentwicklung noch im Namen der Aufklärung geschieht. Marginalisierung hat nichts mit Aufklärung zu tun.

Kommentare
  1. nestor sagt:

    Die „Trennung zwischen Privat und Öffentlich“ soll das Paradigma unserer Gesellschaft sein? Sag das mal den Regierenden, die am liebsten Rauchverbote bis in Privatwohnungen und -autos durchsetzen will, gegen Fettsucht, Alkoholismus, Glühbirnen Kampagnen startet, „Hochkultur“ statt Massenunterhaltung mit Subventionen überschüttet und ja, auch unansehnliche Kleidung verbietet (Frankreich die Burqa, Florida die Baggy-Pants). Ohnehin mischt sich der Gesetzgeber von der Geburt über die zwischenmenschlichen Beziehungen bis hin zum Tod auf jeder Stufe bis ins Intimste in das individuelle Privatleben ein. Ganz offenkundig ist also das Private politisch, insofern es die Politik alltäglich als ureigenstes Interventionsfeld ausmacht.
    Zumindest in diesem Punkt stehe ich eher auf Seiten Ayn Rands, die gerade die Emanzipation des Privaten vom Öffentlichen als Fortschreiten der Zivilisation verstand: „Civilization is the progress toward a society of privacy. The savage’s whole existence is public, ruled by the laws of his tribe. Civilization is the process of setting man free from men.“

  2. JayJay sagt:

    die am liebsten Rauchverbote bis in Privatwohnungen und -autos durchsetzen will, gegen Fettsucht, Alkoholismus, Glühbirnen

    Du wirst lachen, aber genau an solche Beispiele habe ich gedacht, als ich die Zeilen schrieb, denn die strukturellen Ähnlichkeiten sind kaum zu übersehen.

    Die „Trennung zwischen Privat und Öffentlich“ soll das Paradigma unserer Gesellschaft sein?

    Ok, das war rhetorisch unklug, Hauptaugenmerk sollte nicht so sehr auf der Trennung als vielmehr auf dem Zurückdrängen liegen. Dort wird in der Tat immer mehr das eigentlich Private zur öffentlichen Sache erklärt, wie z.B. Rauchen auf freien Plätzen, Belastung der Krankenkassen durch Übergewicht, Zucker, Salz, Alkohol und Tabak, Umwelt, etc.
    Das Private ist insofern nicht politisch, dass alles, was nicht dem Überbau genügt unter Verschluss gehalten wird. Was bis jetzt durch gesellschaftliche Normen geschah (ob das jetzt positiv oder negativ war, sei mal dahingestellt, die erreichte Öffnung hin zu einem zwangloserum Umgang mit verschiedenen Themen war nötig) wird in Zukunft bürokratisch geregelt. Ob dadurch eine Besserung entsteht ist sehr fraglich (zumal jedes Laster und jede Bagatelle ins Öffentliche gezogen wird, so dass für das Private keinen Raum mehr bleibt), denn was bleibt, wenn quasi auf globalen, und gerade beim Abschaffen der dezentral-lokalen, Ebene die verwaltete Welt in der Eleminierung des Nichtidentischem Erfolg hat? Ich denke da sind wir uns einig.

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