Rolle rückwärts

Veröffentlicht: November 16, 2010 in Allgemeines, Kurioses
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Ich werde jetzt nicht in den Kanon der „Roche-will-nur-Aufmerksamkeit“-Rufer einstimmen, auch wenn dieser Verdacht auf der Hand liegt.

Das eigentlich Interessante dabei sind die Klischees, mit denen gespielt wird. Ich bin mir nicht sicher, ob Roche, welche sich in Interviews gerne als Feministin oder zumindest mit feministischer Erziehung als Hintergrund in Szene setzt(e), sich bewusst ist, welchem Diskurs ihre Äußerungen entspringen.

Roche präsentiert sich als Weibchen, indem sie einer regressiven männlichen Phantasie Vorschub leistet: die ständig verfügbare Frau. Auch wenn ihr Angebot jede Ernsthaftigkeit vermissen lässt und Wulff selbstverständlich nicht darauf eingehen kann, so bleibt doch das Spiel mit einer Möglichkeit (die sicherlich auch Herrn Wulff durch den männlichen Schädel ging): Anruf genügt und Hallo. Was vordergründig wirkt wie das selbstbewusste Auftreten einer Frau, die auch über ihre Sexualität offen reden kann, ist unter der trallala-girly-Fassade übelster sexistischer Unsinn aus eigentlich längst vergangen gedachten Tagen.

Atomkraft wäre Roches X-Faktor. Dieser X-Faktor ist das Ding, der das weibliche Geschlecht „rum kriegen“ lässt, der Mann müsse nur die richtigen Knöpfe drücken und die Frau ist willenlos. Natürlich ist die Existenz eines solchen X-Faktors ein ziemlicher Käse (zumal er die Autonomie der Frau als solche in Frage stellt und damit auch ihre Würde), doch spielt z.B. Werbung gerne mit solchen Codes (Deo, unwiderstehlich wie Süßes, „reizt Frauen, nicht die Haut“, Idiot mit Schokoriegel siegt über höfische Etikette, etc.). Wenn also bei der Frau die richtigen Schalter umgelegt werden, lässt sie denjenigen ran. Nun setzt Roche an diese Stelle nicht Geld, Diamanten oder Ansehen des Mannes, sondern das Ziel Atomkraft. Die Differenz zwischen den einzelnen Argumenten ist dabei recht uninteressant, denn dabei bleibt der Beiklang der Käuflichkeit, was wiederum auf die ständige Verfügbarkeit verweist, solange die Knete stimmt.

Gesteigert wird diese Macho-Vision noch durch einen Nebensatz: Klein-Lotte habe das alles mit ihrem Herrn und Meis.. Mann besprochen. Nicht nur, dass Roche männliche Phantasmen bedient, nein, sie tut dies auch noch quasi durch Absolution eines weiteren Mannes. Fünfziger Jahre reloaded unter dem rosabunten Deckmäntelchen einer harmlosen Antiatom-Provokatiönchen.

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Kommentare
  1. CK sagt:

    Roches Angebot ist in der Tat ein Aufruf zur Prostitution und nichts Anderes. Und dass dabei männliche Phantasien aufkommen, nur logisch. ;)

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