„The Village“ und der imaginierte Terrorist

Veröffentlicht: August 7, 2011 in Kultur, Offene Gesellschaft, Popkultur und Freiheit
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Wer erinnert sich noch an „The Village“ von M. Night Shyamalan? Der Film handelt von der Geschichte eines Dorfes nahe eines Waldes. Die Monster des Waldes und die Menschen des Dorfes haben einen Pakt: Man kommt sich nicht zu nahe, und wenn doch, sind die Dorfbewohner die Unterlegenen. „The Village“ erzählt vom Wunsch nach Sicherheit in einer unsicheren Welt. Diese Sicherheit wird allerdings mit einem hohen Preis bezahlt: der ständigen Angst Grenzen zu überqueren. Rot, die Farbe der Wesen aus dem Wald, ist für die Dorfbewohner tabu. Es ist das äußere Zeichen der Andersartigen, die man aus der gesicherten Zone fernhaben möchte.

Erinnert das nicht auch stark an Verbote wie z.B. das kürzlich auch in Belgien eingetretene Verbot der Burka? Oder der Forderung im Internet eine Gesinnungspolizei zu errichten? Jede Ideologie scheint mit einem solchen Feindbild ausgestattet sein zu müssen, denn jede Rhetorik dreht sich um das Verteufeln des Nicht-Wir.

Die Antwort von Norwegen auf Gewalt ist immer mehr Offenheit, mehr Demokratie.

sagte der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg anlässlich des Attentats. Allerdings sieht die deutsche Antwort darauf alles andere als offen aus. Mehr Geld für die Bekämpfung gegen rechts fordern die einen, mehr Kontrolle des Internet die anderen. Durch Aufbauschen einer Gefahr von Außen wird der Zusammenhalt der eigenen Gruppe gewährleistet. Beide Aussagen folgen dem Muster Dorfältesten gegen die roten Waldmonster aus „The Village“. Nur dass diesmal das Monster ein Gesicht bekommen hat.

Breivik ist die Personifiktion dieses „Monsters von Außen“ und jeder deutet es für seine Zwecke um. So wie die Linken nun gegen ihren Feind, die Rechten, ziehen und diesem jegliche argumentative Legitimität absprechen, so berufen sich die Rechten auf ihre Opferrolle der verfolgten Minderheit. Schlussendlich sind allerdings beide in ihrem jeweiligen Dorf der aufgestellten Regeln, wo das Böse aus dem Wald die friedliche Ruhe des Dorfes stört. Für die einen lesen die Monster PI, für die anderen tragen sie Burka. Dass diese Monster von den jeweiligen Dorfbewohnern nur zur Kontrolle erfunden wurden, macht jeden Bewohner, gewollt oder ungewollt, zum Unterstützer einer Ideologie, welche das Ungewollte ausschließt, indem es die Gründe dafür erst noch erfinden muss.

Was also zunächst als Weltoffenheit präsentiert wird, ist dessen Gegenteil, nämlich das Einkapseln in den eigenen Riten und Feindbildern. Indem der jeweils andere Diskurs als normativ gesetzt wird, ist es ein Leichtes sich selbst in der Rolle des Offeneren und Logischeren zu setzen, des Rechthabenden und Missverstandenem. Doch im Grunde fehlt beiden Seiten jegliche Form der Verschiebung des Blickwinkels: Konservativ und den Dritten ausschließend sind sie alle.

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